Dienstag, 25. Januar 2000
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Pahia-Kerikeri-Cape Reinga-Waipapakauri-Kerikeri
Der neue Tag begrüßt uns mit Wolken und kurzen, z. Teil heftigen Schauern. Nach einem kurzen Frühstück geht´s zuerst nach Kerikeri Airport. Hier muss man zum Glück nicht nach dem richtigen Weg fragen. Es gibt nur ein Gebäude. Hier steht auch ein Schild. Und auf diesem Schild steht, dass der 9:30h Flug abgesagt wurde. Unsere Geduld und unser Verständnis zeigen allmählich Erschöpfungszustände. Wir beschießen, unsern Urlaub zu beginnen und das Gepäck beizeiten, z.B. morgen, abzuholen.

Zum Ziel des Tages wird die Nordspitze: Cape Reinga. Auch hier unterschätzen wir ein wenig die Entfernung. Aber hier entschädigt die absolut sehenswerte Natur. Die Straße führt zunächst am Meer entlang und bietet bei Cooper Beach wunderschöne Ausblicke. Der weiter Weg führt durch das extrem hügelige Hinterland. Wälder mit Bäumen, die dem europäischen Auge ungewohnt sind, Sümpfe, die eine gute Kulisse für Gruselfilme sein könnte, hellgrüne Hänge in denen die rote Erde wie Wunden klaffen. Hinter jeder Biegung bietet sich Neues. Silbergraue Bäume, die Wälder, von Farnen überragen oder schwarze Büsche, die sich gegen die Hänge drücken. Mal eröffnet sich der Blick fast endlos über Hügel, Wiesen und Wälder, mal taucht die Straße in urwaldgleichen Dickicht. Ca. 20 km vor dem Ziel endet die Teerstraße und wir kämpfen uns über die von Regengüssen z. Teil völlig aufgelöste Piste weiter. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt hier 30-40 km/h. Am Cape Reinga gibt es einen kleinen Parkplatz, ein paar Hütten und, über einen Fußweg erreichbar, einen Leuchtturm (computergesteuert, wie unromantisch). Ein Wegweiser zeigt die Richtungen nach Sydney, L.A. und London (19' km) an. Wirklich beieindruckend ist aber der Blick von der Steilküste hinab auf die sich hier mischenden Tasmanischen und Pazifischen Ozeane. Der Blick wandert über die wilde Felsformationen unterbrochen von schier endlosen menschenleeren Sandstränden. Etliche z. Teil stundenlange Wanderwege führen von hier hinab ans Meer und von Bucht zu Bucht. Die durch die Wolken brechende Sonne macht das Erlebnis perfekt. Faulheit und Hunger treiben uns weiter. Wir wagen nur den ca. 4 min. Anstieg auf den nächsten Hügel.

Auf einem nahegelegenen Campground stellen wir fest, dass uns für den Betrieb des hauseigenen Gaskochers eine wichtige Information fehlt: Wo schaltet man das Gas ein? Ist etwa die Gasflasche leer? Wir suchen unser Glück in Form einer LPG Tankstelle und fahren zurück. Auf halben Weg zur Teerstraße saut uns ein entgegenkommendes Fahrzeug so ein, dass wir völlig der Sicht beraubt stehen bleiben müssen. Wir sehen aus, als hätten wir eine Ralley gewonnen. Wo wir auch anhalten ernten wir lustige Kommentare.

Auf dem Rückweg biegen wir bei Waipapakauri zum 90-Mile-Beach ab. Wow. Ein brauner Strand erstreckt sich von Horizont zu Horizont. Menschen wie winzige Striche verschwinden aus dem Blick im Dunst der lebhaften See. Und hier, wie überall: Wellenreiter. Einige Fahrzeuge mit langen Angeln auf dem Dach, fahren am Meer entlang, bis man sie nicht mehr sieht.

Wir kehren zurück zur Straße und beschließen statt selbst zu kochen, essen zu gehen. Als Fahrstrecke wählen wir den Weg, den wir gekommen waren, damit wir morgen möglichst nahe an Kerikeri Airport sind. Gleichzeitig galt es einen Platz für die Nacht zu finden. Wir entscheiden uns für einen Campground an der Ostseite. Die Sonne versinkt langsam über dem Meer und färbt den Himmel in ein intensives Lila. Endlich erreichen wir in der Dunkelheit unser Nachtasyl (Motorhome Taranga Bay) und werden grinsend gefragt, ob wir einen Schlafplatz oder eine Wagenwäsche brauchen... sehr komisch... Und endlich wird auch unser Hunger gestillt, denn die ganzen Kneipen und Restaurants hatten schon geschlossen, also gab es wabbeligen Toast mit Philadelphia Käse! Gute Nacht Welt!
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